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Der Name darf nicht leer sein.

Graves & Pessac-Léognan – Ursprung, Urbanität und die Vielfalt des linken Ufers

Die Region Graves ist das historische Herz des Bordelais – und zugleich eine der heterogensten Landschaften des gesamten Bordeaux. Südlich der Stadt gelegen, entlang der Garonne, verdankt sie ihren Namen dem kiesreichen Untergrund (graves), der hier in unterschiedlichsten Ausprägungen auftritt. Innerhalb dieses Gebiets bildet Pessac-Léognan seit 1987 die qualitative Spitze: Eine vergleichsweise junge Appellation mit sehr alten Wurzeln, die heute sowohl für große Rotweine als auch für einige der präzisesten trockenen Weißweine Frankreichs steht.

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Zwei Namen für ein Gebiet und seinen Kern

Es dauert, bis sich ein neuer Name für eine historisch bedeutsame Appellation etabliert. Doch so langsam setzt sich Pessac-Léognan durch. Dieser Name steht seit 1987 für die Kernregion der Graves, und diese Region wiederum umfasst weit mehr Hektar. Sie zieht sich vom Médoc bis in die Süßweinregion Sauternes. Die Hektarfläche von Graves liegt bei rund 4.500 Hektar, die von Pessac-Léognan bei 1.791 Hektar, mit 75 % roten Rebsorten und 25 % weißen Sorten. Benannt ist die Appellation (AOP) nach dem größten Ort Léognan und einem weiteren namens Pessac. Zur AOP gehören jedoch noch acht weitere Ortschaften wie beispielsweise Martillac.

Die Römer, ein Papst und eine Ikone

Weinbau wird hier seit der Römerzeit betrieben. Insofern kann man durchaus vom historischen Herz des Bordelais sprechen – auch wenn Libourne und seine Weinberge später und für lange Zeit mehr Bedeutung hatten. Nach der Gründung von Burdigala haben die Römer einen für ihren Städtebau typischen Ring um den Ort angelegt. Sie fällten Bäume, die als Bauholz genutzt wurden, und pflanzten neben Gemüse und Getreide auch Reben an. Die Siedlung von Léognan ist ab dem 3. Jahrhundert nachgewiesen. Als Léognan zu einem der Übernachtungsorte der Pilgerreisenden auf dem Weg nach Santiago di Compostela wurde, hat man im 11. und 12. Jahrhundert deutlich mehr Reben angepflanzt, und einige Weingüter gehen bereits auf diese Zeit zurück: Latour-Martillac und Château Olivier. Als Bertrand de Got, ab 1299 Erzbischof von Bordeaux, im Jahr 1305 zu Papst Clemens V. gewählt wurde, nahm die Region einen unerwarteten Aufschwung. Schließlich besaß der Papst bereits jenes Weingut, das heute Château Pape Clément heißt.

Der unangefochten längste Ruhm gehört jedoch einem anderen Weingut: Château Haut-Brion. Mit der Gründung im Jahr 1533 durch Jean de Pontac, eine der Schlüsselfiguren in der großen Gründerzeit des Bordelais, hat sich dieses Weingut als eines der jederzeit besten Weingüter etabliert. Von hier aus ging die Revolution des "Claret" oder "New French Claret" aus, wie die Engländer den Weinstil nannten, der sich in seiner Helligkeit und Frische deutlich von den Weinen des Libournais oder den lange angesagten, fast schwarzen Weinen aus Cahors oder Madiran unterschied. Auch die Fassreife in Barriques wird oft mit Haut-Brion in Verbindung gebracht. Überragend ist zudem die Reifefähigkeit der Weine des Château, das schon lange berühmt war, bevor überhaupt jemand über "Bordeaux" oder "Graves" gesprochen hat.

Ein Anbaugebiet am Rande und in der Stadt

Die Appellation umfasst heute rund 75 Betriebe, von denen 14 den Rang eines Grand Cru Classé de Graves besitzen, und eines wurde im Jahr 1855 in die berühmte Klassifikation der Weine aufgenommen, die ja im Wesentlichen dem Médoc vorbehalten war: Château Haut-Brion. Immer mehr Betriebe folgen einem biologisch-organischen oder biodynamischen Weinbau. Dazu gehören Smith Haut Lafitte oder die Domaine de Chevalier.

Was Pessac-Léognan von anderen Appellationen der linken Uferseite unterscheidet, ist die unmittelbare Nähe zur Stadt. Anders als im Médoc, wo sich die Rebflächen wie ein Band entlang der Gironde ziehen, ist hier die Urbanität ein mitbestimmender Faktor. Viele der Weingüter sind in die immer weiter ausufernde Stadt längst eingegliedert. Der Einfluss von Bordeaux zeigt sich tatsächlich auch im Mikroklima: leicht erhöhte Temperaturen, geringeres Frostrisiko und oft ein früherer Vegetationsbeginn prägen die stadtnahen Weingüter. Unterstützt wird dies noch vom "Landes" genannten Wald im Südwesten. So kommt es, dass die weißen Sorten oft schon Mitte August gelesen werden können.

Neben den roten sind auch die weißen Weine bedeutend

Das Anbaugebiet verfügt über ein so heterogenes und komplexes Terroir, dass weiße Sorten neben den roten eine bedeutende Rolle spielen und traditionell die besten Weißweine der gesamten Region hervorbringen. Dem trägt die Klassifikation der "Cru Classé de Graves" von 1959 Rechnung, denn in jenem Jahr wurde die für Rotweine im Jahr 1953 eingeführte Klassifikation ergänzt. Anders als im Médoc ist diese Auflistung nicht hierarchisch abgestuft, sondern listet 14 klassifizierte Güter, von denen sich die überwiegende Mehrheit heute in Pessac-Léognan befindet.

Ebenso wie im Médoc gibt es Kiesterrassen, die jedoch eher durch den Flusslauf der Garonne als durch die Gironde entstanden sind. Sie sind auch nicht so deutlich abgestuft wie weiter im Osten. Entscheidend ist vielmehr das Mosaik aus tiefgründigem Günz-Kies, sandigen Einschlüssen und kalkhaltigen Unterböden mit den sogenannten "calcaire à astéries", die man auch auf dem Plateau von Saint-Émilion findet. Diese Kombination ermöglicht sowohl kraftvolle, strukturierte Rotweine als auch straffe, oft rauchig-mineralische Weißweine – eine Doppelbegabung, die innerhalb von Bordeaux nahezu einzigartig ist. Die Rebsortenverteilung umfasst heute rund 52 % Merlot als leicht dominante Sorte vor ca. 42 % Cabernet Sauvignon. Bei den weißen Sorten dominiert Sauvignon Blanc klar mit 79 % vor Sémillon mit 20 %. Im Gegensatz zu den Weinen, die im Entre-deux-Mers üblich sind und frisch getrunken werden, baut man einen typischen weißen Pessac-Léognan im Fass aus.

Fazit

Heute präsentiert sich Pessac-Léognan als Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne: eine Region, in der historische Güter auf suburbanen Druck treffen, in der alte Kiesrücken neben neu erschlossenen Parzellen liegen und in der sich die stilistische Bandbreite von klassisch-kühler Cabernet-Prägung bis hin zu geschmeidigeren, Merlot-dominierten Cuvées erstreckt. Gleichzeitig entstehen hier einige der präzisesten trockenen Weißweine Frankreichs – geprägt von Sauvignon Blanc, oft ergänzt durch Sémillon, mit markanter Frische, Rauchigkeit und bemerkenswerter Langlebigkeit.