Um alpinawein.de besuchen zu können, müssen Sie mindestens 18 Jahre alt sein.

Es tut uns leid, Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein, um alpinawein.de besuchen zu dürfen.

Der Name darf nicht leer sein.

Mâconnais – Burgunds Süden zwischen Kalkfelsen, Chardonnay und neuem Selbbewusstsein

Das Mâconnais bildet den südlichsten Teil des klassischen Burgunds und erstreckt sich zwischen der Côte Chalonnaise im Norden und dem Beaujolais im Süden. Lange wurde die Region vor allem als Lieferant zugänglicher Chardonnay-Weine wahrgenommen, oft im Schatten der prestigeträchtigen Côte d’Or. Doch dieses Bild hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem großen Teil verändert. Zwar gibt es immer noch viele, oftmals wenig ambitioniert wirkende Genossenschaftsweine, doch zählt das Mâconnais heute zu den dynamischsten Weinlandschaften Frankreichs. Es ist eine Region, in der kalkgeprägte Chardonnays mit burgundischer Präzision entstehen, zugleich aber auch mit einer südlichen Wärme, mit Charme und Offenheit.

Einkaufen nach
Flaschengröße
Preis

12 Artikel

Artikel pro Seite: 12

12 Artikel

Artikel pro Seite: 12

Ganz im Süden Burgunds

Namensgeber der Region ist die Stadt Mâcon an der Saône. Von dort zieht sich das Weinbaugebiet rund 35 Kilometer nach Norden und Süden und etwa zehn Kilometer in die Breite. Im Westen begrenzen die bewaldeten Höhenzüge des Mâconnais die Region, während sich nach Osten hin das breite Tal der Saône öffnet. Die Landschaft unterscheidet sich deutlich von der weiter nördlich gelegenen Côte d’Or. Das Mâconnais wirkt offener, hügeliger und mediterraner. Weinberge wechseln sich mit Wäldern, Wiesen und schroffen Kalkfelsen wie jenen von Solutré und Vergisson ab, Zikaden zirpen in mit Pinien bewachsenen Hainen. 
Geologisch und klimatisch befindet sich das Mâconnais bereits in einem Übergangsraum zwischen Burgund und dem Rhône-Tal. Das Klima ist etwas wärmer und sonniger als in der Côte d’Or, bleibt aber klar kontinental geprägt. Gerade diese Kombination sorgt dafür, dass Chardonnay hier oft reifer, großzügiger und unmittelbarer wirkt, ohne die für das Burgund typische Frische zu verlieren.
Entscheidend geprägt wurde die Region durch die Benediktiner-Abtei Cluny, die 909 gegründet wurde und im Mittelalter enormen Einfluss auf Landwirtschaft und Weinbau ausübte. Später gewann auch die Zisterzienser-Abtei Cîteaux weiter nördlich zunehmend an Bedeutung. Viele historische Weinbergsstrukturen gehen bis heute auf diese klösterliche Prägung zurück – nicht nur an der Côte d’Or, sondern auch hier im Süden. 

Chardonnay als dominierende Rebsorte

Der Chardonnay prägt das Mâconnais wie kaum eine andere Region. Rund 80 % der Rebfläche sind mit dieser Sorte bepflanzt. Tatsächlich gibt es sogar eine Ortschaft namens Chardonnay, wobei bis heute nicht eindeutig geklärt ist, ob die Rebsorte nach dem Dorf benannt wurde oder umgekehrt – wahrscheinlicher ist die zweite Variante.
Daneben spielen Aligoté, Pinot Noir und vor allem Gamay kleinere Rollen. Gerade Gamay ist angesichts der unmittelbaren Nähe zum Beaujolais wenig überraschend die zweitwichtigste Sorte der Region. In manchen südlichen Bereichen können sich die Winzer sogar entscheiden, ob sie ihre Weine unter burgundischen oder Beaujolais-Appellationen vermarkten, während bis in die frühen 1970er Jahre noch viele Chardonnays als Beaujolais Blanc etikettiert wurden.

Kalkstein, Ton und Granit

Die Böden des Mâconnais sind außergewöhnlich vielfältig. Neben kalkhaltigen Tonböden finden sich kieselsäurehaltige Granitböden, Sandstein, Schluff und Geröllformationen aus dem Jura. Besonders prägend sind aber die kalkreichen Böden rund um Solutré und Vergisson, die geologisch teilweise eng mit der Côte d’Or verwandt sind.
Viele Weinberge liegen an diesen steilen Hängen oder amphitheaterartig rund um die Kalkfelsen. Die Höhenlagen reichen teils bis über 400 Meter und sorgen trotz des südlicheren Klimas für kühle Nächte und lange Vegetationsperioden. Genau daraus entsteht die typische Spannung der besten Weine des Mâconnais: eine Verbindung aus südlicher Reife und kalkiger Frische mit oftmals heißen Tagen aber kühlen Nächten, die die Säure bewahren und die Frucht komplex werden lassen. 

Regionale und kommunale Appellationen

Das Mâconnais mit seinen Appellationen zu verstehen, ist gar nicht so einfach. Zu den regionalen Herkunftsbezeichnungen zählen Bourgogne, Bourgogne Aligoté, Bourgogne Passe-Tout-Grains, Côteaux Bourguignons, Crémant de Bourgogne sowie die wichtigen Appellationen Mâcon und Mâcon-Villages. Hinzu kommen Mâcon-Appellationen mit Ortszusätzen wie: Pouilly-Fuissé, Pouilly-Loché, Pouilly-Vinzelles, Saint-Véran und Viré-Clessé.
Die Einführung der Premier-Cru-Klassifikation in Pouilly-Fuissé im Jahr 2022 war besonders wichtig. Damit erhielt das Mâconnais erstmals offiziell anerkannte Premier Crus – ein entscheidender Schritt für die qualitative Anerkennung der Region, für die die Winzer wie die der Domaine Carrette oder Roc des Boutires sehr lange hatten kämpfen müssen. 

Viré-Clessé – Mineralität und Spannung

Die Appellation Viré-Clessé existiert seit 1998 und umfasst Weinberge rund um die Orte Viré und Clessé sowie Teile angrenzender Gemeinden. Ausschließlich Chardonnay ist zugelassen.
Die Weinberge liegen auf 200 bis 440 Metern Höhe und sind geprägt von Kalkstein aus dem Bajocium, Mergelkalk, Sandsteinkieseln und den typischen kalkhaltigen Böden des Mâconnais. Die Weine verbinden Geschmeidigkeit und Feinheit mit einer oft erstaunlich präzisen Mineralität und nervigen Säurestruktur.

Saint-Véran – Kalkstein und südliche Eleganz

Die seit 1971 bestehende Appellation Saint-Véran umschließt die Weinberge von Pouilly-Fuissé beinahe vollständig. Geprägt wird die Landschaft vom monumentalen Kalkfelsen von Solutré, dessen jurassische Kalkformationen das Terroir entscheidend beeinflussen. Genaueres zu dieser Appellation erfahren Sie hier.

Pouilly-Loché – klein, selten und eigenständig

Mit knapp 34 Hektar zählt Pouilly-Loché zu den kleinsten Appellationen Burgunds. Lange wurden die Weine häufig unter Pouilly-Vinzelles vermarktet, doch die geologischen Unterschiede rechtfertigen eine eigenständige Herkunft.
Im Norden dominieren ältere Sandstein- und Schieferböden, während im Süden eisenhaltige Ton- und Kalkböden vorherrschen. Entsprechend variiert auch der Stil: Manche Weine wirken opulent und seidig, andere eher straff, salzig und mineralisch.

Pouilly-Vinzelles – Kraft und Kalk

Die kleine Appellation Pouilly-Vinzelles umfasst rund 60 Hektar Chardonnay auf kalk- und eisenhaltigen Juraböden. Die Unterschiede zwischen den Climats ergeben sich vor allem aus Exposition und Relief.
Die Weine besitzen häufig mehr Kraft und Fülle als viele andere Weine des Mâconnais, behalten aber gleichzeitig eine kalkige Frische und salzige Mineralität, die für Balance sorgt. Nussige Aromen und eine gewisse Cremigkeit sind typisch.

Pouilly-Fuissé – das Aushängeschild des Mâconnais

Die berühmteste Appellation der Region ist ohne Zweifel Pouilly-Fuissé. Mit rund 750 Hektar ist sie die größte Cru-Village-Appellation des Mâconnais und bislang die einzige mit offiziell anerkannten Premier Crus.
Die Weinberge rund um Fuissé, Solutré-Pouilly, Vergisson und Chaintré liegen direkt an den markanten Kalkfelsen von Solutré und Vergisson. Die jurassischen Kalksteinbänke ähneln geologisch teilweise denen der Côte d’Or.
Die besten Pouilly-Fuissé verbinden reife gelbe Frucht, Kräuterwürze, salzige Mineralität und bemerkenswerte Spannung. Gerade die Verbindung aus südlicher Opulenz und kalkiger Präzision macht die Weine so eigenständig. In großen Jahren besitzen sie zudem ein erhebliches Reifepotenzial. Den tiefergehenden Text zu dieser Appellation finden Sie hier.

Das neue Selbstbewusstsein des Mâconnais

Lange galt das Mâconnais als "einfacheres Burgund". In der Menge der Weine ist das auch heute noch so. Immerhin umfasst die Region rund 6.800 Hektar und damit so viel wie die gesamte Côte d’Or – ohne über Grand Cru zu verfügen und auch nur über einige wenige Premier Cru. Doch hat sich einiges getan. Viele junge Winzerinnen und Winzer arbeiten heute biologisch oder biodynamisch, lesen früher, reduzieren Holzeinsatz und versuchen die einzelnen Climats präziser herauszuarbeiten.