Weinland Österreich – Regionen, Rebsorten und Stilistik
Welche Bedeutung der österreichische Weinbau in der Alpenrepublik hat, wird schnell klar, wenn man auf die blanken Zahlen schaut. Da liegt Österreich bei der Hälfte der Hektarzahl im Vergleich zu Deutschland (45.000 gegenüber 103.000 ha) – das aber bei einer deutlich geringeren Gesamtfläche. Entsprechend liegt der Weinbauanteil in Österreich bei 0,54 % der Landesfläche (die zu größeren Teilen zu gebirgig ist, als dass dort Weinbau betrieben werden könnte) gegenüber 0,29 % in Deutschland. Auch wenn es bereits seit der Römerzeit kontinuierlich Weinbau gibt, so wirkt das Weinbauland doch eher jung und dynamisch, weil es sich seit Mitte der 1980er in großen Teilen neu erfunden hat.
Die Entwicklung im österreichischen Weinbau
Der Weinbau in Österreich reicht mindestens bis in die Römerzeit zurück, wo es unter Kaiser Probus im 3. Jahrhundert eindeutige Belege gibt. Man hat in Österreich zwar weit ältere Traubenkerne gefunden, aber keine passenden weinbaulichen Funde, sodass es sich auch um importierte Rosinen gehandelt haben könnte. Darüber hinaus unterschied sich der Weinbau über lange Zeit nicht sonderlich von dem der Nachbarländer. Es waren vor allem die Klöster der Benediktiner, Zisterzienser und Augustiner, die für eine so weite Verbreitung sorgten, dass im 16. Jahrhundert rund dreimal so viele Hektar unter Reben standen wie heute. Allerdings war das Staatsgebiet auch ein ganz anderes. Tirol reichte bis ins heutige Südtirol, die Ostgrenze hat sich immer wieder verschoben. Kriege, Steuern und das populärer werdende Bier führten jedoch zu einem Niedergang in der Breite, und der Wein wurde mehr zu einem höfischen Getränk.
In der Zeit Österreich-Ungarns als sogenannte K.u.K.-Doppelmonarchie vermischten sich Weinbautraditionen, die sich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie wieder ein Stück weit trennten. Einen erneuten Anstieg der Weinbergsfläche führte Laurenz „Lenz“ Moser in den 1930er Jahren herbei, als er eine neue Erziehungsform der Reben, die sogenannte Hochkultur, entwickelte, mit der der Weinbau deutlich stärker mechanisiert werden konnte. Das führte zu einer Massenproduktion, die im Jahr 1985 im Fiasko endete. Der Glykol-Skandal betraf Deutschland und Österreich, ging aber vom Nachbarland aus, als einzelne Winzer damit begann, ihre Weine mit Industriealkohol zu süßen. Diese Krise hat in Österreich dann viel stärker als in Deutschland zu einem Umdenken und zu einem der strengsten Weingesetze weltweit geführt. Zudem führte diese Zäsur in vielen Bereichen zu einem konsequenten Qualitätswandel, der zwar einerseits bewirkte, dass sich die Zahl der Betriebe von damals über 45.000 auf heute rund 10.000 verringert hat, andererseits aber Österreich zu einem der dynamischsten Weinländer Europas mit klaren Herkunftsmodellen, niedrigen Erträgen und starkem Fokus auf Nachhaltigkeit avanciert ist. Beeindruckend ist der Prozentsatz der biologisch zertifizierten Flächen, der bei rund einem Viertel, also zwischen 23 und 25 % liegt (im Gegensatz zu rund 15 % in Deutschland).
Die wichtigsten Weinregionen Österreichs
Im Zuge der Reaktionen auf den Weinskandal haben sich einige Regionen rasant verändert. Beispielsweise lag der Anteil an Sauvignon Blanc in der Steiermark Mitte der 1980er Jahre bei rund 40 Hektar und heute bei etwa 1.000. Damals waren es 1 – 2 %, heute 18 – 19 %. Ähnlich sieht es bei Blaufränkisch und Zweigelt im Burgenland aus. Diese beiden Regionen haben einen enormen Schub erfahren. Dasselbe gilt auch für die große Region Niederösterreich, wo sich in der Wachau, im Kamptal und im Kremstal ein personeller und stilistischer Wachwechsel vollzogen hat. Darüber hinaus schöpfen früher wenig beachtete Regionen wie die Thermenregion oder das Weinviertel immer stärker ihr Potenzial aus, das sich laut dem renommierten Journalisten und Kritiker David Schildknecht wie folgt zusammenfassen lässt: „Austria offers an extraordinary combination of precision, energy and terroir expression.“
Niederösterreich
Mit knapp 27.000 Hektar ist Niederösterreich das größte Weinbaugebiet des Landes und prägt in einem nicht unerheblichen Maße das internationale Bild des österreichischen Weins, vor allem des klassischen Weißweins. Im Gegensatz zur Steiermark, wo Sauvignon Blanc und Weißburgunder prägend sind, sind es hier der Grüne Veltliner und der Riesling, die vor allem entlang der Donau entstehen. In Regionen wie Wachau, Kamptal, Kremstal, Traisental, Thermenregion, Weinviertel und Wagram entstehen vor allem Grüner Veltliner und Riesling von großer Präzision, Mineralität und Lagerfähigkeit. Früher wurden diese Weine gerne opulent und mit Anteilen von Botrytis ausgebaut, heute meist eher kühl, klar und herkunftsbetont, wie die Weine von Bernhard Ott im Wagram oder jene vom Weingut Loimer im Kamptal. Dass in Niederösterreich aber auch große Rotweine entstehen können, zeigt Dorli Muhr im Carnuntum. Am dortigen Spitzerberg erzeugt sie einige der besten Rotweine Österreichs, vornehmlich aus der Sorte Blaufränkisch.
Burgenland
Das Burgenland ist das Rotweinzentrum Österreichs, hat darüber hinaus aber noch viel mehr zu bieten. Benannt nach der Wieselburg, der Ödenburg und der Eisenburg, die alle drei im heutigen Ungarn liegen, was zeigt, dass die Region sich nach dem Ersten Weltkrieg neu finden musste, steht es auch für einige der besten Süßweine der Welt aus Beeren- und Trockenbeerenauslesen vom Neusiedlersee, aber auch aus Rust. Der „Ruster Ausbruch“ wird seit dem 16. Jahrhundert vinifiziert und ist bis heute weltberühmt. Doch auch die trockenen weißen Weine liegen heute auf hohem Niveau und unterscheiden sich deutlich von jenen aus Niederösterreich, Wien oder der Steiermark. Vorherrschend sind Grüner Veltliner, Welschriesling, Weißer Burgunder und Chardonnay.
Mit 40 % Rebfläche für Zweigelt und Blaufränkisch ist allerdings klar, wo hier im Wesentlichen die Aufmerksamkeit liegt. Eisenberg, Leithaberg, Mittelburgenland, Rosalia und Neusiedlersee haben alle große Blaufränkisch zu bieten. Dazu kommen teils auch sehr guter St. Laurent, Merlot, Cabernet Sauvignon und Pinot Noir, überdurchschnittlich oft als „vin naturel“ vinifiziert.
Steiermark
Die Steiermark – und da vor allem die Südsteiermark – steht für ganz eigenständige, spannungsgeladene, komplexe Weißweine aus kühlen, oft steilen Lagen. Sauvignon Blanc, Morillon (Chardonnay), Welschriesling, Riesling und Gelber Muskateller zeigen hier eine markante Säure, mineralische Tiefe und große Ausdruckskraft. Die Stilistik ist präzise, kühl und klar konturiert. Dabei zeigt die Region am deutlichsten den fundamentalen Wandel des Weinbaulandes seit Mitte der 1980er Jahre. Und der Stil kommt an. Allein seit 2016 hat sich die Hektarzahl um 10 % erweitert. Am meisten profitiert dabei der Sauvignon Blanc, aber auch der Welschriesling hat zugelegt.
Das Bundesland mit der Landeshauptstadt Graz liegt im Südosten Österreichs und grenzt an Slowenien, wo die Steiermark Štajerska heißt. Auch hier gehörten beide Teile lange zu einem Staatsgebiet. Heute gibt es immerhin wieder Weingüter, die in beiden Ländern Wein erzeugen. Erzherzog Johann ließ 1822 ein Versuchsweingut mit Traminer, Sauvignon Blanc, Silvaner, Riesling und Weißburgunder anlegen. Auch wenn er damals den Grundstein für die Moderne legte, wurde es doch erst seit den 1990er Jahren zu einer Erfolgsgeschichte. So auch im Weingut Sattlerhof, auch wenn sich dieses bereits seit 1887 in Familienbesitz befindet. Die Verbindung von Wirtshaus, Genießerhotel und Genießerrestaurant mit einem Ausnahmeweingut hat für einen enormen Schub in der Region rund um Gamlitz geführt. Nicht nur der „Concours Mondial du Sauvignon“ bestätigt, dass sich die Südsteiermark mit ihren Sauvignons an der Weltspitze bewegt. Kritiker heben vor allem die „Präzision und Mineralität“ hervor, die sich beispielsweise vom meist exotischeren neuseeländischen Stil abhebt.
Wien
Wien ist weltweit einzigartig als Weinhauptstadt. Der „Wiener Gemischte Satz“, eine traditionelle Cuvée aus gemeinsam gepflanzten, gelesenen und vergorenen Rebsorten, steht dabei im Mittelpunkt. Die Weine sind frisch, ausgewogen und stark mit der lokalen, sogenannten Heurigenkultur verbunden. Diese Heurigen gibt es überall rund um Wien, vor allem aber in den Paradelagen Bisamberg, Kahlenberg, Nussberg, Maurerberg und Laaerberg. Dieser Grüngürtel aus Reben macht die österreichische Hauptstadt zu etwas ganz Besonderem. Die Flächen sind durch ein Landesgesetz geschützt, müssen bewirtschaftet werden und dürfen kein Teil von Immobilienspekulationen werden.
DAC und die Rebsorten Österreichs
Österreich hat sich nach dem Weinskandal ein striktes Qualitätsmanagement auferlegt, das zu einem hochqualitativen Weinbau geführt hat. Qualitätsweine tragen alle das DAC-Siegel, das für „Districtus Austriae Controllatus“ steht und 18 DACs umfasst. Innerhalb der DACs sind die jeweils anerkannten Rebsorten klar geregelt. Insgesamt gibt es 28 weiße und vier rote Qualitätsrebsorten im Alpenland, die für DAC und Landwein zugelassen sind. Grüner Veltliner macht dabei rund ein Drittel der gesamten Hektarzahl aus.
Österreichischer Wein als Speisenbegleiter
So wie in den Restaurants des Sattlerhofs harmoniert auch anderswo die österreichische Küche mit dem selbsterzeugten Wein. Noch bis in die 2000er Jahre hinein waren die Rotweine und die Wachauer Weine oft schwer und üppig ausgebaut. Das hat sich deutlich verändert. Sie besitzen heute meist einen eher kompakten Körper und oft auch eine leicht alpine Frische. Das passt nicht nur zu österreichisch-ungarischen Traditionsgerichten, sondern sehr gut zu internationalen Fusion-Küchen. Man findet die Weine daher auch in Spitzenrestaurants in New York oder Tokio – nicht zuletzt, weil sie bei hoher Qualität immer noch preislich moderat angesiedelt sind.
Österreichische Weine entdecken
Österreich bietet eine klare, überschaubare Struktur mit starkem Fokus auf Qualität und Herkunft. Die Auswahl nach Region, Rebsorte oder Stil ermöglicht einen gezielten Zugang, und die Struktur in Österreich ist deutlich leichter zu verstehen als der Weinbau in Deutschland, Teilen von Italien oder Frankreich. ALPINA Wein konzentriert sich dabei auf präzise, herkunftsgeprägte Weine von Winzern, die handwerkliche Tradition, Nachhaltigkeit und zeitgemäßen Anspruch verbinden.
Fazit
Österreich ist ein kleines, aber äußerst profiliertes Weinland. Seine Stärke liegt in Präzision, Frische und klarer Herkunftsorientierung. Österreichische Weine sind keine lauten Solisten, sondern charakterstarke Begleiter – Ausdruck einer Weinkultur, die Genuss, Handwerk und Landschaft in besonderer Weise vereint. Das bestätigen unisono auch einige der profiliertesten Weinjournalisten. So schreibt Eric Asimov in der New York Times: „Austria has quietly become a source of some of Europe’s most distinctive wines“, und Stuart Pigott führt an: „Austria is one of the most exciting wine countries in the world today.“













