Um alpinawein.de besuchen zu können, müssen Sie mindestens 18 Jahre alt sein.

Es tut uns leid, Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein, um alpinawein.de besuchen zu dürfen.

Der Name darf nicht leer sein.

Grauburgunder / Pinot Gris / Pinot Grigio – eine Rebsorte, drei Welten

Kaum eine Rebsorte zeigt ihre Wandelbarkeit so deutlich wie der Grauburgunder. Unter den Namen Pinot Gris, Pinot Grigio oder Grauburgunder ist sie in vielen Teilen Europas und der Welt verbreitet – und präsentiert sich dabei in höchst unterschiedlichen Stilistiken.

Vom leicht verständlichen Alltagswein bis zum kraftvollen, vielschichtigen Lagenwein reicht das Spektrum. In Deutschland gehört der Grauburgunder heute zu den beliebtesten Weißweinen überhaupt und hat sich in den letzten Jahrzehnten vom eher süß ausgebauten Ruländer vor allem zum Wein des Mainstreams entwickelt. Allerdings gibt es darüber hinaus natürlich auch charaktervolle und komplexe Exemplare.

Seine genetische Nähe zum Pinot Noir verbindet ihn mit einer der großen Rebsorten der Welt. Gleichzeitig besitzt er eine eigenständige Identität, die zwischen Frucht, Struktur und oft auch einer gewissen Cremigkeit vermittelt.

Einkaufen nach
Flaschengröße
Preis
Score

10 Artikel

Artikel pro Seite: 12

10 Artikel

Artikel pro Seite: 12

Eine Variante des Pinots

Grauburgunder ist – ebenso wie Weißburgunder – eine Mutation des Pinot Noir. Diese mutationsfreudige Sorte bringt im Weinberg immer wieder neue Farbvarianten hervor. So finden sich an einem Rebstock nicht selten blaue, graue und sogar weißliche Beeren nebeneinander. Aus diesen natürlichen Mutationen haben sich im Laufe der Jahrhunderte Pinot Noir, Pinot Gris und Pinot Blanc entwickelt. Genetisch sind diese Sorten nahezu identisch, unterscheiden sich jedoch deutlich in Farbe und Stilistik. Während Pinot Noir für rote Weine steht, bringt Pinot Gris Weine mit mehr Struktur und Würze hervor, während Pinot Blanc meist etwas schlanker und frischer wirkt.
Typisch für den Grauburgunder ist seine grau bis rosé schimmernde Beerenhaut, die ihn zu einer eigenen Farbkategorie zwischen weißen und roten Rebsorten macht. Diese Pigmente können – je nach Maischekontakt – auch zu leicht kupferfarbenen oder orangefarbenen Weinen führen. Ampelographisch zeigt die Sorte mittelgroße, kompakte Trauben. Sie treibt früh aus und reift ebenfalls früh, was sie für viele gemäßigte Klimazonen geeignet macht, gleichzeitig aber anfällig für Spätfrost ist.

Ein unkomplizierter Partner

Grauburgunder gilt als unkomplizierte Rebsorte, die sich im Weinberg oft gut selbst reguliert. Er bevorzugt jedoch bestimmte Standorte. Besonders wohl fühlt er sich auf Löss- und Kalkböden, während schwere, dichte Lehmböden weniger geeignet sind. Zudem ist die Sorte recht ertragreich, weshalb eine gezielte Ertragsregulierung wichtig ist, um Qualität zu erzeugen. Bei zu hohen Erträgen entstehen schnell neutrale, wenig ausdrucksstarke Weine, wie es sie heute zuhauf im deutschen Fassweinmarkt gibt. In kühleren Regionen bewahrt Grauburgunder eine lebendige Frische, während er in wärmeren Lagen an Körper, Alkohol und aromatischer Reife gewinnt.

Sehr beliebte Aromatik und Säurestruktur

Grauburgunder besitzt eine mittlere bis kräftige Struktur mit moderater Säure und einer oft leicht cremigen Textur. Gerade diese Kombination aus Fülle und Zugänglichkeit macht ihn zu einem der erfolgreichsten Weißweine im Markt. Dank seiner moderaten Säure wird er vor allem in Deutschland von vielen gegenüber dem Riesling bevorzugt. Auch die typischen Aromen wie Apfel (frisch und mürbe), Birne, Melone und gelegentlich Ananas, ergänzt durch Noten von Mandeln, Nüssen, Honig und Gewürzen, treffen den Nerv der Zeit und sind sehr beliebt. Diese Aromatik kann je nach Ausbau von frisch und klar bis hin zu reif und opulent variieren.

Regionale Stilistik im globalen Vergleich

Die stilistische Vielfalt des Grauburgunders zeigt sich besonders deutlich in seinen regionalen Ausprägungen. Historisch wurde die Sorte in Deutschland unter dem Namen Ruländer süß und alkoholreich ausgebaut. Der Name geht auf den Apotheker Johann Seger Ruland zurück, der im 18. Jahrhundert verwilderte Reben in Speyer entdeckte. Besonders in Baden entwickelte sich daraus eine Tradition kraftvoller, würziger Weine, die durchaus eine Ähnlichkeit zum Stil jenseits der Grenze im Elsass aufwiesen. Heute dominiert hingegen der trockene Ausbau als Grauburgunder, oft im Edelstahltank für frische, zugängliche Weine wie jene des Ökonomierats Rebholz oder im Holz für komplexere Interpretationen. Mit zunehmender Qualität zeigt die Sorte ein beachtliches Potenzial für strukturierte und langlebige Weine. Diese findet man auch heute vor allem in Baden und in Württemberg, wo die Sorte beim Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) auch als "Großes Gewächs" zugelassen ist. Ein Beispiel dafür ist der Achkarrener Schlossberg Grauburgunder des Weinguts Dr. Heger. Dort liegt auch der Schwerpunkt des Anbaus, gefolgt von der Pfalz und Rheinhessen. Insgesamt sind hierzulande rund 7.100 Hektar mit der Sorte bepflanzt.
Im Elsass zeigt sich Pinot Gris traditionell deutlich kraftvoller und auch heute noch oft mit Restsüße. Hier entstehen neben trockenen Varianten auch "Vendanges Tardives" und "Sélections de Grains Nobles", also Spätlesen und Beerenauslesen, die zu den großen Süßweinen Frankreichs zählen. Obwohl Frankreich als Ursprungsregion gilt, konzentriert sich der Anbau innerhalb des Landes heute zu rund 90 % auf das Elsass. Im Burgund findet man die Sorte, die dort Pinot Beurot genannt wird, nur noch sehr selten. Auch in der Champagne, wo sie zugelassen ist und Fromenteau heißt, macht sie nicht einmal ein Prozent der Anbaufläche aus. Zu den großen Winzern des Elsass, die den Pinot Gris im traditionellen Gemischten Satz angebaut haben, gehört Marcel Deiss, vor allem mit seinem von Pinot Gris geprägten Mambourg de Sigolsheim Grand Cru.

In Italien, insbesondere in Friaul-Julisch-Venetien, Venetien und Südtirol, ist Pinot Grigio ein Massenphänomen geworden. Mit inzwischen bis zu 40.000 Hektar ist Italien das wichtigste Anbauland. Stilistisch dominieren hier leichte, frische und früh zugängliche Weine für den Massenmarkt. Allerdings gibt es auch erfreulich komplexe Ausnahmen und mittlerweile offiziell eine eigene rosé- oder kupferfarbene Variante namens "Ramato", wenn der Saft einen etwas längeren Schalenkontakt hatte und der Wein entsprechend einen leichten Gerbstoff aufweist.
Auch international ist die Sorte weit verbreitet, etwa in den USA (Kalifornien, Oregon, Washington), wo sie häufig auch halbtrocken ausgebaut wird, sowie in Australien und Neuseeland, wo sie zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Foodpairing

Grauburgunder ist ein äußerst vielseitiger Speisebegleiter. Leichte, frische Varianten passen gut zu Salaten, Fisch oder Meeresfrüchten. Kräftigere, im Holz ausgebaute Weine harmonieren hervorragend mit Geflügel, Kalbfleisch oder Pilzgerichten. Auch zu cremigen Saucen oder zu gereiftem Käse zeigt die Sorte ihre Stärken. Durch seine moderate Säure und seine oft vorhandene Fülle eignet sich Grauburgunder besonders gut für Gerichte mit einer gewissen Textur und Dichte.

Fazit

Grauburgunder – oder Pinot Gris beziehungsweise Pinot Grigio – ist eine ausgesprochen vielseitige Sorte, die trotz moderater Säure sogar als Schaumwein ausgebaut wird. Ihre eigentliche Stärke liegt einerseits darin, ein "Crowdpleaser" zu sein, der einen guten Durchschnittswein abgibt, aber auch darin, dass aus ihr hochkomplexe trockene und restsüße, dann allerdings auch kraftvolle und teils schwere Weine erzeugt werden können. Seine genetische Nähe zum Pinot Noir, seine Anpassungsfähigkeit und seine stilistische Bandbreite machen ihn zu einem Chamäleon im Weinbau mit der Möglichkeit einer beeindruckenden Vielfalt und einem Potenzial, das zugunsten der Durchschnittlichkeit leider allzu oft vernachlässigt wird. In den Händen von Könnern wie im Weingut Dr. Heger allerdings zeigt sich die mögliche Klasse des Grauburgunders.