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Pommard – vom Eisen geprägte Böden erzeugen kraftvolle, robuste Pinots

Pommard gehört zu den berühmtesten Rotwein-Appellationen der Côte de Beaune und zugleich zu denjenigen Gemeinden, deren Stilbild über Jahrzehnte besonders klar definiert war. Während Orte wie Chambolle-Musigny für Finesse oder Vosne-Romanée für Sinnlichkeit stehen, galt Pommard lange vor allem als der kraftvollste Ausdruck des Pinot Noir in Burgund. Tanninstruktur, dunklere Frucht, erdige Würze und ein ausgeprägtes Reifepotenzial prägten den Ruf der Gemeinde über Generationen hinweg. Doch wie viele burgundische Appellationen befindet sich auch Pommard im Wandel. Der Klimawandel, neue Weinbergsarbeit und veränderte Vinifikationsstile führen heute zu deutlich differenzierteren Weinen. Die klassische Kraft bleibt zwar erhalten, doch moderne Pommard verbinden diese zunehmend mit mehr Transparenz, Präzision und Frische.

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Das Zentrum der roten Côte de Beaune

Pommard liegt unmittelbar südlich von Beaune zwischen Volnay im Süden und Beaune im Norden. Die Appellation umfasst 212 Hektar, die als "Village" klassifiziert sind und 125 Hektar "Premier Cru". Die Weinberge sind nahezu vollständig dem Pinot Noir vorbehalten. Anders als viele andere berühmte Gemeinden Burgunds besitzt Pommard keinen Grand Cru. Dennoch zählt die Appellation seit Jahrhunderten zu den bekanntesten Rotweinherkünften Frankreichs.
Historisch lag das auch an der vergleichsweise robusten Struktur der Weine. Während manche burgundische Rotweine wie beispielsweise die des benachbarten Volnay früher als fragil galten und oft zu dünn wurden, besaßen Pommards meist genügend Tannin und Konzentration, um lange Transporte und Reifephasen zu überstehen. Bereits im Mittelalter und besonders im 18. und 19. Jahrhundert galten die Weine deshalb als besonders prestigeträchtig, was sich dann aber für lange Zeit zugunsten der feineren Stilistiken anderer Appellationen geändert hat. Seit einigen Jahren jedoch werden viele Pommards immer raffinierter und eleganter.

Kalkstein, Ton und eisenhaltige Böden

Die Weinberge von Pommard liegen an sanft ansteigenden Osthängen der Côte d’Or zwischen 240 und 380 Metern Höhe. Geologisch zeigt die Gemeinde eine ungewöhnlich komplexe Mischung aus Kalkstein, Ton und eisenhaltigen Böden. Gerade der vergleichsweise hohe Eisenanteil wird häufig mit der typischen Struktur und Würze der Weine in Verbindung gebracht. Vor allem in tieferen Bereichen dominieren tonreichere Böden, die kräftigere und tanninbetontere Weine hervorbringen. Höher gelegene Parzellen mit flachgründigerem Kalkstein wirken dagegen oft präziser und feiner.
Die Unterschiede innerhalb der Gemeinde sind erheblich. Während höhere Lagen fast schon die florale Eleganz von Volnay erreichen und sich im Terroir auch nicht so stark von Volnay unterscheiden, zeigen andere eine tiefe, dunkle und erdige Struktur, die Pommard unverwechselbar macht.


Les Rugiens und Les Épenots – die großen Premier Crus

Besonders berühmt sind die beiden großen Premier-Cru-Komplexe Les Rugiens und Les Épenots, die seit Jahrzehnten als potenzielle Grand-Cru-Kandidaten gelten. Les Rugiens liegt auf eisenhaltigen, rötlichen Böden oberhalb des Dorfes und bringt häufig die kraftvollsten und strukturiertesten Weine der Gemeinde hervor. Sie besitzen oft eine beeindruckende Tiefe, mineralische Spannung und außergewöhnliches Reifepotenzial. Les Épenots dagegen liegt näher Richtung Beaune und wirkt stilistisch häufig etwas feiner, eleganter und früher zugänglich. Dennoch zeigen auch diese Weine meist erhebliche Struktur und Konzentration. 
Dass Pommard bis heute keinen Grand Cru besitzt, gilt vielen Beobachtern als historische Besonderheit und wird immer wieder diskutiert. Ein Grund dafür ist beispielsweise, dass die beiden Kandidaten über zwei qualitativ jeweils sehr unterschiedlich zu gewichtende Teile verfügen: Les Rugiens Hauts gegen Les Rugiens Bas sowie Les Grands Epenots versus Les Petits Epinots. 

Der Stil von Pommard

Typisch für Pommard sind Aromen von dunklen Kirschen, Brombeeren, Pflaumen, Veilchen, Unterholz, Leder und Gewürzen. Häufig treten erdige und eisenartige Noten hinzu, die den Weinen zusätzliche Tiefe verleihen, bei schwächeren Weinen aber auch manchmal in landwirtschaftliche Noten abgleiten können. Im Vergleich zu Volnay wirkt Pommard meist dichter, tanninreicher und weniger floral. Gleichzeitig fehlt ihnen oft die exotische Sinnlichkeit von Vosne-Romanée oder die strenge Mineralität mancher Gevrey-Chambertin. Stattdessen besitzen sie eine direkte, strukturierte und oft beinahe rustikale Kraft.
Gerade ältere Jahrgänge zeigen jedoch, wie komplex und fein große Pommard reifen können. Mit zunehmender Flaschenreife entwickeln die Weine häufig Trüffel-, Waldboden- und Wildaromen, während sich die kräftigen Tannine zunehmend integrieren. Das kann man hervorragend nachvollziehen an Weinen wie dem "Grand Clos des Epinots" der Domaine Courcel, aber auch ihren anderen Weinen wie jenen aus "Les Cras" oder "Les Vaumuriens".

Pommard zwischen Bodenständigkeit und Floralität

Lange wurden der Pinot Noir aus Pommard bewusst extraktreich und kraftvoll bzw. robust vinifiziert. Hohe Extraktion, viel neues Holz und lange Maischestandzeiten galten vielerorts als idealer Stil. In manchen Jahren entstanden dadurch jedoch harte oder trocknende Tannine. Die neue Generation burgundischer Winzer arbeitet heute deutlich präziser. Frühere Lesezeitpunkte, sanftere Extraktion und reduzierter Holzeinsatz sorgen dafür, dass moderner Pommard transparenter und ausgewogener wirkt als viele Beispiele früherer Jahrzehnte. Auch der Klimawandel verändert die Wahrnehmung der Weine zusätzlich. Die traditionell etwas strengeren und strukturierteren Lagen profitieren häufig von wärmeren Bedingungen, weil die phenolische Reife heute zuverlässiger erreicht wird, als früher. Die deutlich tieferen Lehmböden können Wasser mehr speichern und die Reben waren in den vielen heißen und trockenen Jahren seit 2018 häufig deutlich besser versorgt als die der Nachbargemeinden.

Fazit

Pommard besitzt innerhalb Burgunds eine besondere Rolle. Die Gemeinde steht gewissermaßen für die historische Vorstellung burgundischer Rotweine: strukturiert, langlebig und weniger von unmittelbarer Verführung geprägt als manche Nachbarappellationen. Wenn man so will, der Barolo unter den roten Beaunes. Gleichzeitig zeigt sich heute deutlicher denn je, wie vielfältig die Gemeinde tatsächlich ist. Neben klassischen, kraftvollen Interpretationen entstehen zunehmend feinere und präzisere Weine, die stärker die Unterschiede einzelner Climats hervorheben. Gerade darin liegt die aktuelle Faszination von Pommard: Die Appellation bewahrt ihre traditionelle Tiefe und Struktur, interpretiert diese aber zunehmend mit moderner burgundischer Transparenz und Eleganz neu.
In einer Zeit, in der viele Pinot Noir-Weine weltweit immer weicher und fruchtbetonter oder auch betont kühler und karger werden, wirkt Pommard da fast wie ein Gegenentwurf. Die besten Weine verlangen Zeit, Luft und Geduld. Sie leben weniger von unmittelbarer Opulenz als von Struktur, Spannung und langsamer Entwicklung. Pommard zeigt Pinot Noir nicht als florale oder ätherische Rebsorte, sondern als Wein mit Erdung und besonderem Reifepotenzial – geprägt von Kalkstein, Eisen und einer langen und auch wechselvollen Geschichte der Côte de Beaune.