Crémant de Bourgogne – Burgunds unterschätzte Schaumweintradition
Wer über das Burgund spricht, hat meist klassische Stillweine aus Pinot Noir und Chardonnay der berühmten Appellationen im Hinterkopf. Dabei verfügt die Region über eine lange und historisch bedeutende Schaumweintradition. Der "Crémant de Bourgogne" gehört heute zu den wichtigsten Schaumweinen Frankreichs und verbindet die klassischen burgundischen Rebsorten mit einer vom kalk geprägten Herkunft sowie die traditionelle Flaschengärung mit einem oftmals erstaunlich guten Preis-Genuss-Verhältnis. Dabei hat gerade in den vergangenen Jahren die qualitative Entwicklung deutlich an Dynamik gewonnen. Viele ambitionierte Domaines und Häuser arbeiten heute mit alten Rebanlagen, längerer Hefelagerung und präziserem Ausbau, wodurch Crémant de Bourgogne stilistisch immer eigenständiger geworden ist.
Eine alte Schaumweintradition
Bereits ab den 1820er Jahren entstanden im Burgund Weine nach der "méthode traditionnelle", also jener Flaschengärung, die in der Champagne entwickelt wurde. Die Produktion entstand vor allem in der Côte Chalonnaise rund um Rully, wo auch heute noch das Zentrum liegt. Damals wurden die Schäumer oft "Fleur de Champagne" genannt. Als die Champagne ihre Markenrechte durchgesetzt hat, wechselte man zu "Bourgogne Mousseux". Die kontrollierte Herkunftsbezeichnung "Crémant de Bourgogne" entstand schließlich 1975. Heute zählt Crémant de Bourgogne zu den wichtigsten Crémant-Appellationen Frankreichs und liegt innerhalb der Crémants hinter jenen aus dem Elsass und der Loire mit rund 20 Millionen Flaschen Jahresproduktion auf dem dritten Platz.
Burgund als Schaumweinregion
Die Appellation umfasst nahezu das gesamte Burgund – von Chablis bis ins Mâconnais und teilweise bis in den Beaujolais hinein. Genau diese große geografische Spannweite prägt auch den Stil der Weine. Während kühlere Zonen wie Chablis oder die Hautes-Côtes häufig straffere, säurebetontere Grundweine liefern, entstehen im Mâconnais etwas reifere und großzügigere Interpretationen. Besonders wichtig sind dabei Kalk- und Mergelböden, die den Weinen Frische, Salzigkeit und Struktur verleihen.
Die Rebsorten des Crémant de Bourgogne
Die wichtigsten Rebsorten sind Chardonnay und Pinot Noir. Hinzu kommen Aligoté, Gamay, Pinot Blanc, Sacy und in kleineren Mengen auch Melon de Bourgogne oder Pinot Gris.
Der Chardonnay sorgt meist für Frische, Präzision und kalkige Spannung. Pinot Noir bringt Struktur, rote Frucht und Tiefe, während Aligoté häufig zusätzliche Säure und Zitrusnoten liefert. Gerade die Rolle des Aligoté ist historisch und stilistisch bedeutend, weil die Sorte dem Crémant de Bourgogne eine lebendige Frische verleiht, die viele klassische Beispiele auszeichnet. Rosé-Versionen basieren meist auf Pinot Noir und Gamay und wirken häufig saftig, rotfruchtig und früher zugänglich.
Méthode traditionnelle und lange Hefelagerung
Wie in der Champagne entsteht Crémant de Bourgogne nach der traditionellen Flaschengärung. Die zweite Gärung erfolgt also direkt in der Flasche. Vorgeschrieben ist ein Mindesthefelager von neun Monaten, viele ambitionierte Erzeuger lagern ihre Weine jedoch deutlich länger weil so eine zusätzliche Komplexität, eine feinere Textur und natürlich ein eleganteres Mousseux entsteht. Neben Zitrusfrucht und Apfel treten dann häufig Brioche-, Haselnuss-, Hefeteig- und Mandelnoten hinzu. In den letzten Jahren hat sich zudem der Ausbau deutlich verändert. Viele Betriebe arbeiten heute mit niedrigerer Dosage, früherer Lese und präziserem Grundweinmanagement, wodurch die Weine trockener, kalkiger und terroirgeprägter wirken. So, wie es in so gut wie allen bedeutenden Schaumweinregionen in den letzten Jahren Standard geworden ist.
Zwischen Champagne und burgundischer Eigenständigkeit
Der Vergleich mit der Champagne ist unvermeidlich, greift aber oft zu kurz. Zwar basiert Crémant de Bourgogne auf derselben Herstellungsmethode und teilweise denselben Rebsorten, stilistisch zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Ein typischer Crémant will kein Champagner sein. Sein Charakter ist offener, fruchtbetonter und unmittelbarer als klassische Champagner. Gleichzeitig verfügt ein Crémant nur selten über die deutliche Autolyseprägung oder die kreidige Strenge der besten Champagnerlagen. Stattdessen verbinden sie burgundische Frucht, moderate Cremigkeit und eine zugängliche Frische.
Die neue Aufmerksamkeit für Crémant de Bourgogne
Der Crémant de Bourgogne macht heute einen größeren Anteil an der Gesamtproduktion der Region aus, als die meisten wohl vermuten würden. Während die gesamte Weinproduktion des Burgunds bei ungefähr 1,3 Millionen Hektolitern liegt, entfallen je nach Jahrgang bereits 10 bis 15 % auf den Crémant de Bourgogne. Das ist bemerkenswert, weil die öffentliche Wahrnehmung bis vor wenigen Jahren fast vollständig von Stillweinen geprägt wurde. Flächenmäßig umfasst Crémant de Bourgogne heute ungefähr 3.000 Hektar Rebfläche, während das gesamte Burgund über das Zehnfache verfügt.
Dass diese Appellation mehr Aufmerksamkeit bekommt, liegt dabei an mehreren Faktoren: Die Champagner-Preise sind deutlich und konstant gestiegen. Es gibt immer mehr ambitionierte Crémant-Erzeuger, die internationale Nachfrage nach Schaumweinen ist gestiegen, gerade in Höhenlagen des Burgunds sorgt der Klimawandel dafür, dass die Trauben konstant ausreifen und gerade jene Betriebe, die nicht über Premier Cru oder Grand Cru verfügen, können wirtschaftlich stabiler arbeiten als ausschließlich mit Stillweinen. So ist der Crémant heute in Regionen wie der Côte Chalonnaise oder den Hautes-Côtes ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Danke des qualitativen Aufschwungs anderen europäischer Schaumweinregionen wie im Elsass, der Loire, Deutschland, England oder Österreich hat sich auch die Qualität des Crémant de Bourgogne dank der Konkurrenz in neue Höhen geschraubt.
