Um alpinawein.de besuchen zu können, müssen Sie mindestens 18 Jahre alt sein.

Es tut uns leid, Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein, um alpinawein.de besuchen zu dürfen.

Der Name darf nicht leer sein.

Sangiovese – die Signature-Rebe der Toskana

Sowohl für die meisten Italiener als auch für viele Beobachter des Weinlands Italien ist Sangiovese die wichtigste Rebsorte des Landes. Das lässt sich auch an den Zahlen ablesen: Mit rund 65.000 Hektar Rebfläche liegt sie deutlich vor dem Trebbiano und mit großem Abstand vor der nächsten roten Rebsorte, dem Montepulciano. Sangiovese ist verantwortlich für einfache, aber charaktervolle Alltagsweine ebenso wie für einige der bedeutendsten Rotweine Italiens. Dazu zählen der Chianti ebenso wie auch Vino Nobile di Montepulciano, Brunello di Montalcino, Chianti Classico Gran Selezione oder Morellino di Scansano. Auch außerhalb der Toskana – etwa im Sangiovese di Predappio in der Emilia-Romagna – prägt die Sorte wichtige regionale Stilistiken. Man kann also durchaus sagen: Sangiovese ist das Herz, das im Weinbau Mittelitaliens schlägt.

Einkaufen nach
Weingut
Preis
Score

105 Artikel

Artikel 1-12 von 105

Seite
Artikel pro Seite: 12

105 Artikel

Artikel 1-12 von 105

Seite
Artikel pro Seite: 12

Tatsächlich prägt Sangiovese wie keine andere Rebsorte den Charakter der toskanischen Weinlandschaft. Von den Hügeln des Chianti bis zu den kalkreichen Böden rund um Montalcino entstehen aus dieser Rebsorte einige der berühmtesten Rotweine des Landes. Zugleich ist Sangiovese eine bemerkenswert wandelbare Sorte: Sie kann kraftvolle, langlebige Weine hervorbringen, aber auch elegante, trinkfreudige Interpretationen, die bereits in ihrer Jugend überzeugen.

„Blut des Jupiter“ – oder etwas ganz anderes?

Der Name Sangiovese wird häufig mit dem lateinischen Ausdruck sanguis Jovis – „Blut des Jupiter“ – in Verbindung gebracht. Ob diese Herleitung tatsächlich historisch zutrifft, ist allerdings umstritten. Sicher ist jedoch, dass sie auf die lange Geschichte der Rebsorte verweist. Bereits in der Antike soll Sangiovese von den Etruskern kultiviert worden sein. Sicher belegt ist ihre Existenz spätestens im Mittelalter, als sie in verschiedenen Dokumenten der Toskana erwähnt wird. Der Agronom Giovanvettorio Soderini beschrieb im Jahr 1590 eine Rebsorte namens „Sangiogheto“, die zusammen mit der alten toskanischen Sorte Ciliegiolo genannt wurde. Ob damit tatsächlich der heutige Sangiovese gemeint war, lässt sich jedoch nicht eindeutig nachweisen. Forscher aus der Romagna, der Region auf der anderen Seite des Apennins, haben zudem die These aufgestellt, dass Mönche am Monte Giove in Santarcangelo di Romagna nahe Rimini die Rebsorte bereits im 16. Jahrhundert kultivierten. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass genetisch besonders alte Varianten des Sangiovese tatsächlich im Gebiet von Predappio in der Romagna vorkommen.

Erfolgreich – aber erst seit relativ kurzer Zeit

Dank moderner DNA-Analysen weiß man heute, dass Sangiovese eine Kreuzung aus der toskanischen Rebsorte Ciliegiolo und dem süditalienischen Calabrese di Montenuovo ist. Wo genau diese Kreuzung entstanden ist, bleibt jedoch unklar. Sicher ist dagegen, dass sich die Sorte im Laufe der Jahrhunderte zum Rückgrat des Weinbaus entlang des Apennins entwickelte. Dennoch dauerte es lange, bis Sangiovese die heutige Bedeutung erreichte. Über Jahrhunderte wurde die Sorte meist als Bestandteil von Cuvées verwendet oder gemeinsam mit anderen Reben im sogenannten gemischten Satz angebaut. Auch die berühmte „Chianti-Formel“ des Staatsmanns und Weinbauers Bettino Ricasoli basierte nicht ausschließlich auf Sangiovese. Neben dieser Sorte sah sie unter anderem Ciliegiolo, Mammolo und Colorino vor, ebenso wie weiße Rebsorten wie Malvasia und Trebbiano. Letztere sind heute im Chianti nicht mehr zugelassen, während internationale Sorten wie Merlot oder Syrah mittlerweile erlaubt sind.

Viele Varianten einer Rebsorte

Streng genommen gibt es "den" Sangiovese gar nicht. Vielmehr handelt es sich um eine große Familie von Varianten und Klonen. Lange unterschied man zwischen zwei Haupttypen: Sangiovese Grosso und Sangiovese Piccolo. Heute geht man jedoch von rund hundert verschiedenen Klonvarianten aus. Der Piccolo wurde früher häufig für einfache Chianti-Weine verwendet, während der dickschalige Grosso Grundlage für kraftvolle Weine wie den Brunello di Montalcino ist. Viele regionale Varianten tragen eigene Namen. Dazu gehören etwa der Prugnolo Gentile im Vino Nobile di Montepulciano oder der Morellino in der Maremma. Auch der Nielluccio auf Korsika gilt als Spielart des Sangiovese. Weitere Varianten sind der Sangiovese Romagnolo, der Calabrese in der Toskana oder der Corinto Nero auf Lipari, wobei dieser Name teilweise auch für die Sorte Korinthiaki verwendet wird.

Zwei stilistische Profile

So vielfältig die Varianten und Anbaugebiete des Sangiovese sind, so unterschiedlich können auch die daraus entstehenden Weine sein. Grundsätzlich lassen sich jedoch zwei stilistische Richtungen unterscheiden. Der klassische Stil ist eher hell in der Farbe, säurebetont und vergleichsweise wenig extrahiert. Die Aromatik wird häufig von roten Früchten geprägt, insbesondere von Sauerkirschen, Kirschen und Pflaumen. Dazu kommen Anklänge von Veilchen, Kräutern und getrockneten Gewürzen. Mit zunehmender Reife entwickeln sich komplexere Noten wie Tabak, Leder, Erde oder getrocknete Früchte. Modernere Interpretationen wirken häufig dunkler, konzentrierter und extraktreicher. Sie entstehen oft durch spätere Lese, intensivere Extraktion und teilweise durch den Einsatz kleiner Holzfässer. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für das Reifepotenzial der Sorte ist Brunello di Montalcino. Diese Weine werden ausschließlich aus einer lokalen Sangiovese-Variante erzeugt und gehören zu den langlebigsten Rotweinen Italiens. Große Brunelli – etwa von historischen Produzenten wie den Conti Costanti – können problemlos mehrere Jahrzehnte reifen.

Die Entwicklung seit den 1970er Jahren

Eine entscheidende Phase in der modernen Geschichte des Sangiovese begann in den 1970er- und 1980er-Jahren. Winzer und Önologen der Toskana, darunter Marchese Piero Antinori gemeinsam mit seinem Önologen Giacomo Tachis sowie Lodovico Antinori, experimentierten mit internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot. Die daraus entstandenen Weine wurden später als "Super Tuscans" bekannt. Sie waren häufig eine Kombination aus Sangiovese mit internationalen Sorten und wurden oft in kleinen Barriques ausgebaut. Diese Weine lenkten internationale Aufmerksamkeit auf den toskanischen Weinbau. Gleichzeitig führte diese Entwicklung zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Qualität des Sangiovese selbst. Viele Winzer begannen, alte Klone zu selektieren, die Weinberge präziser zu bewirtschaften und die Erträge deutlich zu reduzieren. Heute zeigt sich die Rebsorte dadurch oft präziser und terroirgeprägter als früher. Auch der Ausbau variiert stark. Traditionell reifen viele Sangiovese-Weine in großen Holzfässern, den sogenannten botti, die nur wenig Holzaroma abgeben. In moderneren Interpretationen werden häufig kleinere Barriques eingesetzt, die zusätzliche Struktur und Würze verleihen. Viele Winzer kombinieren heute beide Ansätze. Dazu gehören Weingüter wie die der Marchesi Mazzei Castello di Fonterutoli, Castello dei Rampolla, San Giusto a Rentennano oder Villa Vignamaggio im Chianti Classico.

Eine anspruchsvolle Sorte im Weinberg

Im Weinberg gilt Sangiovese als anspruchsvoll. Die Sorte reagiert sensibel auf Bodenbeschaffenheit, Mikroklima und Exposition. Gleichzeitig ist sie anfällig für Ertragsschwankungen und verlangt sorgfältige Arbeit im Weinberg, um optimale Qualität zu erreichen. Gerade diese Empfindlichkeit sorgt jedoch dafür, dass Sangiovese besonders präzise auf seine Umgebung reagiert und unterschiedliche Terroirs deutlich widerspiegelt. Im Chianti Classico hat man deshalb mittlerweile elf Subzonen – sogenannte Unità Geografiche Aggiuntive (UGA) – definiert, die verschiedene Terroirs hervorheben. Dazu zählen etwa Greve, Panzano, Radda, Gaiole oder Castelnuovo Berardenga.

Idealer Speisenbegleiter

Dank seiner lebhaften Säure und der markanten Tanninstruktur gilt Sangiovese als hervorragender Speisenbegleiter. Besonders gut harmoniert er mit der traditionellen Küche Mittelitaliens.
Seine Säure verbindet sich ideal mit Tomatensaucen, während die Tanninstruktur fettreiche Fleischgerichte wie eine klassische Bistecca alla Fiorentina hervorragend begleitet. Noten von Kräutern und Kirschen greifen dabei typische Aromen der mediterranen Küche auf, etwa Rosmarin oder Thymian. Mit zunehmender Reife entwickeln Sangiovese-Weine zudem erdige und würzige Nuancen, die hervorragend zu Pilzgerichten, Trüffeln oder Wild passen. Auch gereifter Hartkäse harmoniert ausgezeichnet mit der lebendigen Struktur der Weine.

Fazit

Heute genießt Sangiovese weltweit große Anerkennung. Obwohl die Rebsorte auch in anderen Regionen Italiens und zunehmend in Übersee – etwa in Kalifornien oder Australien – angebaut wird, bleiben die Toskana und die Romagna ihr unbestrittenes Zentrum. Hier zeigt Sangiovese in seinen besten Interpretationen eine außergewöhnliche Balance aus Frische, Struktur und aromatischer Tiefe. Gerade diese Kombination macht den besonderen Reiz der Sorte aus. Sangiovese kann kraftvoll und ernsthaft sein, zugleich aber elegant und lebendig. In seinen besten Ausprägungen erzählt er immer auch von der Landschaft, aus der er stammt – von den Hügeln, Böden und der langen Geschichte des Weinbaus entlang des Apennins.