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Syrah – die große Rebsorte der Rhône

Die Geschichte des Syrah reicht mehrere Jahrhunderte zurück, doch seine heutige Popularität hat der Syrah erst in den 1990er Jahren aufgebaut. Es bedurfte einer neuen Generation von Winzern wie Jean-Louis Chave, Marcel Guigal oder August Clape, die das Potenzial großer Syrah-Weine der nördlichen Rhône international ins Rampenlicht gestellt haben. Dazu kam der australische Shiraz-Boom mit Produzenten wie Penfolds und dem legendären "Grange" sowie die Rhône Rangers-Bewegung im südlichen Kalifornien. Heute ist der Syrah, oder Shiraz, wie er in Australien oder Südafrika auch genannt wird, ein internationaler Star mit einer unverwechselbaren Aromatik. Der internationale Stil ist kräftig, aromatisch mit intensiver Frucht und Gewürznoten, der klassische Stil viel transparenter und floraler, aber ebenfalls intensiv.

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In seiner Heimat, der nördlichen Rhône, war der Syrah bereits im 18. und 19. Jahrhundert hochgeschätzt. Besonders Weine aus Hermitage galten als äußerst prestigeträchtig. Sie waren so konzentriert und farbintensiv, dass sie im 19. Jahrhundert häufig als Verschnittwein verwendet wurden, um Bordeaux-Weinen mehr Farbe und Struktur zu geben. Denn der Bordeaux von damals war nicht der Bordeaux von heute. Er wurde gerne Claret genannt, weil er farblich oftmals eher leicht wirkte und andere Rebsorten eine Rolle spielten als heute. Trotz seines guten Rufs blieb Syrah jedoch lange ein regional begrenztes Phänomen und nur wenige Winzer der Nordrhône konnten von ihren Erträgen leben. Üblich waren Handelshäuser, die das Traubenmaterial oder Fassweine aufkauften und vermarkteten.

Parallel dazu gelangte der Syrah bereits mit James Busby 1822 nach Australien, wo er sich unter dem Namen Shiraz rasch etablierte. Vor allem in South Australia (Barossa Valley, McLaren Vale) entwickelte er sich zu einer der wichtigsten Rebsorten des Landes. Allerdings wurden die meisten Weine damals und für lange Zeit im Tawny-Stil, also in einem oxidativen Portwein-Stil ausgebaut, der international wenig Beachtung fand. Das änderte sich erst mit dem Sohn deutscher Einwanderer, Max Schubert, der bei Penfolds zum Chief Winemaker aufstieg und in den 1940er Jahren zunächst gegen den Willen der Firmenleitung heimlich an einem neuen Weinstil arbeitete und schließlich einen Wein namens "Grange Hermitage" füllte, der wie eine Symbiose aus Nord-Rhône und Australien wirkte und recht schnell internationale Aufmerksamkeit erlangte. Für den heutigen Chief Winemaker Peter Gago gehören Jahrgänge wie 1951 oder 1955 noch heute zu den ganz großen dieses Weines.

Herkunft und Geschichte

Kaum eine andere Traube verbindet Kraft, Würze und aromatische Tiefe auf vergleichbare Weise. Von den steilen Granithängen der nördlichen Rhône bis zu den warmen Weinlandschaften Australiens entstehen aus Syrah Weine mit ganz unterschiedlichen Gesichtern – und doch bleibt die Sorte stets unverkennbar. Ihr charakteristisches Spiel aus dunkler Frucht, Pfefferwürze und strukturierter Eleganz macht sie zu einer der faszinierendsten Rebsorten des internationalen Weinbaus.

Die historische Heimat des Syrah liegt im Rhône-Tal in Südfrankreich. Besonders im nördlichen Teil der Region prägt er seit Jahrhunderten die großen Weine. Hier, zwischen Vienne und Valence, entstehen einige der klassischsten Interpretationen der Sorte. Appellationen wie Côte-Rôtie, Hermitage, Cornas oder Saint-Joseph gelten als Referenz für Syrah in ihrer reinsten Form.

Lange Zeit rankten sich zahlreiche Legenden um den Ursprung der Rebsorte. Manche vermuteten ihre Herkunft im antiken Persien rund um die Stadt Shiraz, andere brachten sie mit der italienischen Stadt Syrakus und den Kreuzrittern in Verbindung, die die Sorte von ihren Kreuzzügen nach Europa mitgebracht haben sollten. Moderne genetische Untersuchungen haben diese Mythen inzwischen widerlegt. Syrah ist tatsächlich eine französische Rebsorte, entstanden aus einer natürlichen Kreuzung der beiden historischen Sorten Mondeuse Blanche und Dureza, die beide aus Südostfrankreich stammen.

Terroir und Anbaugebiete in Frankreich

Die Landschaft der nördlichen Rhône bietet ideale Bedingungen für Syrah. Die Weinberge liegen häufig auf steilen Hängen mit granithaltigen Böden, die Wärme speichern und gleichzeitig eine gute Drainage gewährleisten. Das kontinentale Klima mit warmen Sommern und kühlen Nächten ermöglicht eine langsame Reife der Trauben und trägt wesentlich zur aromatischen Komplexität der Weine bei. 

In der Côte-Rôtie, Heimat von Réné Rostaing, entstehen elegante und duftige Weine, die neben dunkler Frucht auch eine ausgeprägte florale Aromatik besitzen. Traditionell wird hier oft ein kleiner Anteil der weißen Rebsorte Viognier mitvergoren, was den Weinen zusätzliche Duftigkeit und Finesse verleihen kann. Im imposanten Hermitage-Weinberg oberhalb von Tain, wo sich die Parzellen des legendären Jean-Louis Chave und von Alain Graillot befinden, zeigt sich Syrah oft kraftvoller und strukturierter. Die Weine aus dieser berühmten Lage gehören zu den langlebigsten Rotweinen Frankreichs. Sie verbinden konzentrierte Frucht mit mineralischer Tiefe und können über Jahrzehnte reifen. Cornas wiederum steht für besonders kraftvolle und oft rustikale Interpretationen der Rebsorte, während Saint-Joseph eine größere stilistische Bandbreite bietet.

Während Syrah im Norden der Rhône meist sortenrein ausgebaut wird, spielt er im südlichen Rhône-Tal eine andere Rolle. Hier bildet er gemeinsam mit Grenache und Mourvèdre häufig die Grundlage für die berühmten Assemblagen der Region, die weltweit auch mit "GSM" abgekürzt werden. Besonders in Châteauneuf-du-Pape trägt Syrah in Weinen wie jenen vom Château La Nerthe Struktur, Farbe und würzige Tiefe zu den Cuvées bei.

Weiter im Süden, in den Alpilles ist Syrah zusammen mit Cabernet Sauvignon verantwortlich für die großen Weine der Domaine de Trévallon, die ebenso gut reifen können wie die der Rhône. Und auch im Languedoc und Roussillon ist Syrah Sparringspartner von Mourvèdre und Grenache, also ähnlich wie an der südlichen Rhône, nur mit wechselnden Terroirs. Auch hier ist Réné Rostaing aktiv mit seinem Weingut Puech Noble

Stil und Aromatik

Typisch für französischen Syrah ist eine intensive Aromatik, die sich deutlich von vielen anderen Rotweinsorten unterscheidet. Sie duftet besonders nach Brombeere, oft purem Cassis oder Pflaumen. Dazu kommen charakteristische würzige Noten, die an schwarzen oder weißen Pfeffer, Nelken oder Lakritz erinnern. Dazu gibt es oftmals Anklänge von abgehangenem Rindfleisch und Teer. In kühleren Regionen oder Jahrgängen zeigen Syrah-Weine auch florale Anklänge von Veilchen oder Lavendel.

Mit zunehmender Reife entwickeln sich komplexe tertiäre Aromen von Leder, Rauch, Unterholz und manchmal auch von geräuchertem Fleisch oder Speck. Gerade diese Kombination aus Frucht, Würze und Reife macht den besonderen Reiz der Sorte aus.

Im Glas zeigt Syrah meist eine tiefdunkle, violett bis purpurfarbene Farbe. Die Weine besitzen ein kräftiges Tannin und eine gute Säurestruktur, die ihnen Rückgrat und Lagerfähigkeit verleihen. Gleichzeitig können sie eine bemerkenswerte Geschmeidigkeit entwickeln, insbesondere, wenn sie aus optimal gereiften Trauben erzeugt werden.

Syrah in der Welt

Nicht weit entfernt vom Ursprung im Südosten Frankreichs liegen die Syrah-Weinberge der Schweiz. Und die findet man dort ebenfalls an der Rhône, die – vom Gotthardmassiv kommend – 264 Kilometer, also ein gutes Drittel der Gesamtlänge in der Schweiz zurücklegt. Erstmals wurde sie dort 1926 gepflanzt und hat sich vor allem im Wallis etabliert. Man findet sie zudem im Waadtland am Genfer See, im Chablais und Lavaux. 

Besonders erfolgreich wurde Syrah, wie bereits erwähnt, in Australien, wo er unter dem Namen Shiraz zu der wichtigsten Rebsorten des Landes avancierte. In Regionen wie dem Barossa Valley oder McLaren Vale entstehen besonders kraftvolle und fruchtbetonte Interpretationen. Diese Weine zeigen häufig intensive Aromen von reifen dunklen, auch manchmal gekochten Früchten, Schokolade und Gewürzen. Oft sind es Weine wie eigene Mahlzeiten, Blockbuster mit immenser Tiefe und Fülle. Doch längst entstehen in kühleren australischen Regionen wie dem Yarra Valley, den Adelaide Hills oder Heathcote elegantere und strukturiertere Stilistiken, die stärker an die klassischen Rhône-Weine erinnern und wo dann oft nicht mehr "Shiraz" auf Bordeauxflaschen gedruckt wird, sondern "Syrah" auf Burgunderflaschen. In Neuseeland ist sie zwar bei weitem nicht so weit verbreitet wie der Pinot Noir, doch in den Gimblett Gravels oder auf Waiheke Island entstehen duftige und pfeffrige Syrahs, wo die organische Verbindung namens Rotundon besonders an weißen Pfeffer erinnert. Auch in Südafrika, Kalifornien, Chile und Argentinien hat sich Syrah inzwischen erfolgreich etabliert. Vor allen Südafrika ist dabei mit dem Gebiet Swartland erfolgreich, aber zunehmend auch mit kühleren Gebieten wie Elgin und Walker Bay. Von den rund 180.000 Hektar weltweit liegen heute rund 62.000 in Frankreich, 39.000 in Australien, 19.000 in Spanien(!), 12.000 in Argentinien und 9.000 Hektar in Südafrika.

Weinbereitung und Stilfragen

Der Ausbau von Syrah-Weinen variiert insgesamt stark, je nach Herkunft und Stil. An der nördlichen Rhône werden viele Weine traditionell in großen Holzfässern ausgebaut, die den Charakter der Rebsorte nur behutsam beeinflussen. Es gibt jedoch auch einige Weingüter, die bewusst ein ausgeprägtes Holz verwenden, das der lang reifende Syrah dann im Laufe der Jahre perfekt integrieren kann. In der Côte-Rôtie kommt oft noch ein kleiner Anteil des duftigen weißen Viognier hinzu und/oder auch die enge Verwandte des Syrah, die Sérine. In den anderen Anbaugebieten an der Nordrhône wird reinsortig gearbeitet. In vielen Übersee-Regionen kommen meist kleinere Barriques zum Einsatz, die zusätzliche Gewürznoten und Struktur verleihen. Die Kombination aus Fruchtintensität und würziger Komplexität macht Syrah besonders geeignet für den Ausbau im Holz. Gleichzeitig versuchen viele Winzer, das Gleichgewicht zwischen Frucht, Struktur und Holz sorgfältig auszubalancieren, um die Herkunft der Weine möglichst präzise zum Ausdruck zu bringen.

Im Weinberg gilt Syrah als vergleichsweise robuste, aber dennoch anspruchsvolle Rebsorte. Sie benötigt ausreichend Wärme, um vollständig auszureifen, reagiert jedoch empfindlich auf extreme Hitze oder Trockenstress. Gleichzeitig ist sie anfällig für Krankheiten wie Mehltau oder für klimatische Einflüsse wie starken Wind während der Blüte. Sie ist weitaus sensibler als Cabernet, allerdings nicht ganz so wie ein Pinot Noir. 

Syrah und Küche

Kulinarisch gehört Syrah zu den vielseitigsten Rotweinen überhaupt. Die würzige Aromatik harmoniert hervorragend mit kräftigen Fleischgerichten wie Lamm, Rind oder Wild. Besonders klassische Kombinationen stammen aus der Küche der Rhône-Region, etwa geschmortes Lamm mit Kräutern der Provence. Auch zu gegrilltem Fleisch oder zu würzigen Gerichten der mediterranen Küche passt Syrah ausgezeichnet. Mit zunehmender Reife entfalten die Weine eine zusätzliche Komplexität, die sie auch zu hervorragenden Begleitern für reiferen Käse (auch Blauschimmel) oder Pilzgerichten macht.

Fazit

Heute gehört Syrah zu den wichtigsten internationalen Rebsorten und hat sich innerhalb der letzten 20 Jahre von Platz 36 im internationalen Rebsortenranking auf Platz 6 vorgearbeitet. Unter den roten Rebsorten liegt Syrah nach Cabernet Sauvignon, Merlot und Tempranillo sogar auf Platz 4. Trotz der weltweiten Verbreitung bleibt jedoch die nördliche Rhône sein stilistischer Maßstab. Hier zeigt er seine vielleicht eleganteste und zugleich tiefgründigste Form.
Gleichzeitig beweist Syrah in vielen anderen Regionen der Welt, wie wandlungsfähig er sein kann. Ob kraftvoll und opulent oder elegant und kühl – Syrah besitzt die Fähigkeit, unterschiedlichste Landschaften und Klimazonen im Glas sichtbar zu machen und kommt gut mit dem Klimawandel klar. Dabei dringt er sogar in Regionen vor, von denen man es vor 20 Jahren noch nicht erwartet hat: Elsass, Baden oder die Pfalz sind drei davon. Gerade diese Vielseitigkeit macht ihren besonderen Reiz aus und erklärt, warum die Sorte zu den faszinierendsten der Welt gehört.