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Cabernet Franc – immer mehr im Kommen

"Cabernet Franc Is in Its ’It’ Grape Era" heißt es in einem kürzlich erschienen Artikel des Wine Enthusiast. Oder anders gesagt: Diese Rebsorte, die über lange Zeit hinweg vor allem der häufig übersehe Partner im Hintergrund war, ist die rote Sorte der Stunde. Ob in Saint-Émilion oder Bolgheri, Finger Lakes oder Napa – Cabernet Franc ersetzt aufgrund des Klimawandels nach und nach immer mehr Merlot und auch Cabernet Sauvignon. Aber es hat noch einen anderen Grund: Aus der Sorte entstehen die häufig deutlich speisefreundlicheren, frischeren Weine, und das in allen Preislagen.

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Das Waisenkind namens Cabernet Franc

Auch wenn man nicht so genau weiß, wann und wo der Cabernet Franc ursprünglich entstanden ist, gibt es doch einige nachvollziehbare Parameter. Die Sorte ist ein Waisenkind, denn die Eltern sind unbekannt. Allerdings gibt es zumindest genetische Beziehungen zu Sorten im spanischen Baskenland und im tiefen Südwesten Frankreichs. Zudem findet man dort die meisten der rund 80 Synonyme, also regional genutzten Namen für die Sorte. Viele Synonyme deuten auf ein hohes Alter des Cabernet Francs hin. Die wichtigsten sind "Gros Bouchet" im Altfranzösischen, "Bouchy" in Südwestfrankreich, "Bouchet" im Libournais, also Bordeaux und "Breton" an der Loire, wo die Sorte ebenfalls schon sehr lange heimisch ist und die schönsten reinsortigen Weine hervorbringt. Man findet die Sorte bis heute im Bergerac und Madiran und natürlich in Bordeaux. Dort war sie zusammen mit der Carmenère auch bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste Sorte. Merlot hat erst nach den notwendigen Neuanpflanzungen wegen der Reblauskatastrophe an Bedeutung gewonnen, der Cabernet Sauvignon erst ab den 1960er Jahren. Allerdings wurde in Bordeaux bis dahin sowieso vor allem Weißwein und Wein aus Hybridreben erzeugt. In Bordeaux ist die Sorte immer Cuvéepartner und fast immer Juniorpartner. Allerdings gibt es eine bedeutende Ausnahme: Im "Château Cheval Blanc Grand Cru Classé A de Saint-Émilion " ist der Cabernet Franc mittlerweile wichtiger als der Merlot

Berühmte Nachkommen

Wenn die Eltern schon nicht bekannt sind, dann doch wenigstens einige berühmte Kinder. Allen voran natürlich der Cabernet Sauvignon, und obwohl man es damals noch nicht nachweisen konnte, hat man der Sorte den genau richtigen Namen verliehen, denn die andere Elternrebsorte ist der Sauvignon Blanc. Auch der Merlot ist ein Kind des Cabernet Franc, zusammen mit Magdeleine Noire des Charentes. Ebenso die Carmenère und damit eine weitere Bordeaux-Sorte, in diesem Fall zusammen mit Moural. Zu nennen wären noch die toskanische Spezialität Caberlot zusammen mit Merlot und die baskische Sorte Hondarribi Beltza.

Die rote Sorte der Loire

Die heutige eindeutig wichtigste Region für den Cabernet Franc ist die der Loire zwischen Tours und Angers. Laut der Historie hat der bekannte Kardinal Richelieu rund 1.000 Stöcke Cabernet Franc an seinen Gutsverwalter Abbé Breton an die Loire schicken lassen. Das war im Jahr 1631. Der Abbé Breton hat sich dann in dieser Sorte verewigt, denn er hat sie so erfolgreich zunächst in Saint-Nicolas-de-Bourgueil, dann in Bourgueil und in Chinon angesiedelt, dass sie dort lange und teils bis heute genauso geheißen hat wie er: Breton. Die nächste wichtigste Appellation, etwas weiter flussaufwärts, ist Saumur-Champigny, wo man beispielsweise die berühmten Lagen von Brézé und Les Poyeux findet, wo auch unsere Domaine Sanzay Parzellen besitzt. Doch auch wenn die Sorte dort schon lange ansässig ist, wirklich bekannt sind die Weine der Appellationen erst in den letzten 25 Jahren geworden. Davor wurde der "Breton" vor allem vor Ort getrunken. Und auch heute gehören die Cabernet Francs der Loire immer noch zu den Weinen "unterm Radar", die einen aber nicht mehr loslassen, wenn man sie einmal entdeckt hat. 

Einzigartiges aromatisches Profil

Das wohl markanteste Merkmal des Cabernet Franc ist dabei sein aromatisches Profil, das sich deutlich von der dunklen, schweren Frucht anderer Bordeaux-Rebsorten abhebt. In der Nase zeigt er sich oft verspielt und floral: Veilchen und Iris vermischen sich mit hellen roten Früchten wie Himbeeren und Walderdbeeren. Was ihn jedoch wirklich einzigartig macht, ist seine würzige, fast schon vegetabile Komponente. In kühleren Regionen oder bei früher Lese treten Noten von grüner Paprika, frisch geschnittenem Gras oder zerstoßenem Graphit hervor. Diese werden durch Pyrazine verursacht – organische Verbindungen, die der Rebsorte ihre charakteristische Frische und Kante verleihen. Mit zunehmender Reife wandeln sich diese Töne in edle Aromen von getrockneten Kräutern, Zigarrenkisten und gerösteter Paprika, was den Wein ungemein komplex macht.

Nächste Heimat: Bolgheri

Allerdings reüssiert der Cabernet Franc heute nicht mehr nur in den kühleren Zonen, sondern nicht zuletzt in den wärmeren Gebieten und gerade dort, wo es dem Merlot langsam, aber sicher zu heiß und zu trocken wird. Neben Saint-Émilion kann man da durchaus die Maremma und speziell Bolgheri nennen, wo es mittlerweile auch reinsortige Cabernet Francs gibt und der Anteil in den typischen Cuvées immer weiter steigt. Im "Sassicaia" der Tenuta San Guido war der Cabernet Franc schon immer ein wichtiger Partner. Ebenso im "Ornellaia". Die Villa Vignamaggio erzeugt schon lange einen reinsortigen Cabernet Franc in der klassischen Toskana, während das Weingut Ampeleia einen Cabernet Franc aus besonders hochgelegenen Weinbergen im Hinterland der Maremma produziert.

Neben Frankreich und Italien findet man die Sorte nicht zuletzt im ungarischen Villány, im US-amerikanischen Napa Valley und in den Finger Lakes, vor allem aber in Brasilien – was zugegebenermaßen als Weinbauland in Europa noch unterbelichtet ist. Aber 7.000 Hektar – in Italien sind es rund 5.600 und in Frankreich ca. 33.000 – sprechen eine eindeutige Sprache. 

Fazit

Die "Rebsorte der Stunde" zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie immer frisch und trinkfreudig bleibt. Sie wirkt nie verkopft, selbst wenn sie über eine hohe Komplexität verfügt. Und neben Crus entstehen aus ihr ganz hervorragende Alltagsweine und "Vins de Soif". Hinzu kommt, dass der Cabernet Franc am Tisch vielseitig einsetzbar ist. Da er etwas feiner oder zurückhaltender ist als Merlot oder Cabernet Sauvignon, kann man ihn auch zu feinerem Fleisch einsetzen und mit einer Beurre rouge etwa zu Flussfisch wie Zander. Er liebt Lamm in Kräuterkruste, Morchel mit Risotto, Ente oder Wachtel, Speck und Linsen und nicht zuletzt Ziegenkäse.