Sauvignon Blanc – Duft, Frische und weltweiter Erfolg
Sauvignon Blanc gehört zu den erfolgreichsten Rebsorten der letzten Jahrzehnte. Zwischen 2000 und 2016 hat sich die weltweite Anbaufläche nahezu verdoppelt, und die Sorte hat sich nach Chardonnay zur zweitwichtigsten weißen Rebsorte für Qualitätswein weltweit entwickelt.
Ihren Erfolg verdankt sie einer Kombination aus Frische, prägnanter Aromatik und unkompliziertem Trinkfluss. Kaum eine andere Rebsorte vermittelt so unmittelbar Duft, Lebendigkeit und Zugänglichkeit.
Gleichzeitig besitzt Sauvignon Blanc eine bemerkenswerte Bandbreite. Von kühlen, mineralischen Weinen der Loire über exotisch geprägte Interpretationen aus Neuseeland bis hin zu komplexen, im Holz ausgebauten Varianten beispielsweise aus der Südsteiermark zeigt die Sorte viele Gesichter – und bleibt doch immer klar erkennbar.
Wie sehr der Erfolg einer Rebsorte von den Winzern abhängt, die daraus besondere Weine machen, kann man beim Sauvignon Blanc besonders gut ablesen. Die Sorte wird erst seit den 1960er Jahren mit Sancerre und Pouilly-Fumé in Verbindung gebracht. In den 1980er Jahren begann der Aufstieg zur Signature-Rebe der Südsteiermark, und es war ein einzelnes Weingut namens Cloudy Bay, das den Grundstein für ein ganzes Sauvignon-Blanc-Imperium in Marlborough in Neuseeland gelegt hat. Vorher hatte der Sauvignon Blanc keinen Ruf und war (und ist) vor allem als Cuvée-Partner in Bordeaux gefragt.
Loire oder Bordeaux? "Gargantua" gibt Hinweise …
Die Herkunft des Sauvignon Blanc wurde daher auch lange im Bordelais vermutet. Tatsächlich wurde die Sorte dort bereits im Jahr 1720 in Margaux erwähnt. Doch Hinweise auf ihre Existenz reichen deutlich weiter zurück. Bereits 1534 taucht sie im Werk "Gargantua" von François Rabelais auf – und dieses ist an der Loire verortet. Vieles spricht daher dafür, dass der Ursprung der Sorte eher im Loiretal zu suchen ist. Genetisch ist Sauvignon Blanc eng mit anderen bedeutenden Rebsorten verbunden. Einer seiner Elternteile ist der Savagnin (Traminer) aus dem Jura, der auch beim Chenin Blanc eine Rolle spielt. Zudem ist Sauvignon Blanc gemeinsam mit Cabernet Franc Elternteil des Cabernet Sauvignon – einer der wichtigsten roten Rebsorten der Welt. Ampelographisch ist Sauvignon Blanc eine wuchskräftige Rebsorte mit relativ kleinen Beeren und einer dünnen Schale. Sie treibt früh aus und reift mittel bis früh. Ihre starke Wuchskraft erfordert eine gezielte Arbeit im Weinberg, um Qualität und Balance zu gewährleisten.
Was Paprika, Erbsen und Sauvignon Blanc gemein haben
Sauvignon Blanc gilt als ausgesprochen anpassungsfähig, was ein Teil seines Erfolges ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Rebsorten kommt er sowohl mit kühleren als auch mit wärmeren Klimazonen gut zurecht. Gerade diese Flexibilität hat wesentlich zu seiner globalen Verbreitung beigetragen. In kühlen Regionen entstehen meist straffe, frische Weine mit klarer Säurestruktur und präziser Aromatik. In wärmeren Gebieten entwickelt die Sorte hingegen reifere, oft exotischere Fruchtprofile. Eine besondere Rolle spielt dabei die Steuerung der Vegetation im Weinberg. Sauvignon Blanc enthält hohe Konzentrationen von Methoxypyrazinen, die für die typischen grünen Aromen verantwortlich sind und auch in grüner Paprika, Erbsen oder Spargel vorkommen. Durch Laubarbeit, Sonneneinstrahlung und Lesezeitpunkt lässt sich beeinflussen, wie stark diese Noten im Wein ausgeprägt sind.
Aromatisch sind es sechs Seiten eines Würfels
Typisch für Sauvignon Blanc ist grundsätzlich eine lebendige Säure und eine aromatische Intensität, die von den genannten grünen und kräutrigen bis hin zu exotisch-fruchtigen Noten reicht. Wurde der Wein bewusst so angelegt, dass er von grünen Aromen geprägt ist, dann erinnert er beispielsweise an grüne Paprika, Gras, Brennnessel, Buchsbaum und Erbsen, teilweise auch an Spargelwasser und sogenanntes "Cat’s Pee". Etwas wärmere Weine werden von Stachelbeere, Limette, Grapefruit, Birne und Cassis geprägt. Die Weine aus den wärmeren Gegenden dann beispielsweise von Maracuja, Kiwi, Karambole oder Guave. Dazu kommt, dass die Stilistik stark vom Ausbau abhängt. Früher wurde der Sauvignon Blanc vor allem im Edelstahltank vinifiziert, um die Frische und Aromatik möglichst unverfälscht zu erhalten oder zu betonen. Doch durch den Ausbau im Holz und auf der Hefe gewinnt die Sorte deutlich an Struktur, Tiefe und Komplexität. Die Weine werden cremiger, feiner und können deutlich besser reifen. In den letzten Jahren wurde und wird Sauvignon Blanc auch zunehmend auf der Maische vergoren oder in Amphoren ausgebaut, wodurch zusätzliche Aromen und eine veränderte Textur entstehen. Es hat sich erwiesen, dass der Sauvignon Blanc eine ideale Sorte für diesen Stil ist. Grundsätzlich können solche Weine und die, die im Holz ausgebaut wurden, hervorragend fünfzehn, zwanzig oder mehr Jahre reifen. Jene, die als Grand Cru Classé zusammen mit Sémillon in Bordeaux ausgebaut wurden, schaffen auch noch zusätzliche Jahrzehnte.
Von der Loire in die Welt
Die Vielfalt des Sauvignon Blanc zeigt sich besonders deutlich in seinen wichtigsten Herkunftsregionen. Schaut man zunächst auf das Ursprungsland Frankreich, so entstehen an der Loire mit Sancerre und Pouilly-Fumé die klassischen Referenzen der Sorte. Hier wird Sauvignon Blanc meist reinsortig ausgebaut und zeigt sich kühl, mineralisch und präzise. Besonders auf Feuersteinböden (Silex) kann er eine typische rauchige Note entwickeln, die zu Namen wie "Fumé Blanc" geführt hat. Die eigentliche Herkunft ist Pouilly, auf der Sancerre gegenüberliegenden Seite der Loire. Es ist die Heimat von Serge Dagueneau & fils. Weitere typische Bodenformationen sind die Terres Blanches mit Kimmeridge-Kalk, die Caillottes mit hartem Oxford-Kalkstein und die Marnes à petites huîtres (flache, versteinerte Austern in Kimmeridge-Kalkstein), die vor allem im Bereich Sancerre vorkommen, wo Pierre Girault & fils seine Heimat hat. In der benachbarten Touraine findet man die Sorte ebenfalls oft, allerdings tendenziell eher für etwas günstigere, nicht ganz so ausgeprägte und dennoch frische Weine. Doch auch hier gibt es Hotspots mit bestem Terroir, was man auf hervorragende Weise in Weinen wie dem "Eclat de Silex" der Domaine Michaud in Chenonceaux nachvollziehen kann.
Im Bordelais hingegen wird Sauvignon Blanc meist als Cuvée-Partner von Sémillon und gelegentlich Muscadelle eingesetzt. In trockenen Weinen wie jenen der "Entre deux Mers" sorgt er für Frische und Aromatik. In den Graves und Pessac-Léognan entstehen Grands Crus Classés. Weine wie jene des Château Smith Haut Lafite, Pape Clément oder Domaine de Chevalier werden im Holz ausgebaut und werden tatsächlich "grand", tief, komplex und können Jahrzehnte reifen. Insgesamt sorgen veränderte Trinkgewohnheiten dafür, dass auch klassische Rotweingüter aus dem Médoc oder der "rive droite" zunehmend auf Weißwein setzen. Dazu gehören beispielsweise Cos d’Estournel, Valandraud oder Monbousquet.
Auch dort, wo die klassischen, legendären Süßweine entstehen, nämlich in Sauternes und Barsac, ist die Hinwendung zum trockenen Stil ebenfalls offensichtlich. Zu erwähnen wäre beispielsweise der Grand Vin Blanc Sec de Suduiraut. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass "Sauternes" aus Weingütern wie d’Yquem, Rieussec, Climens oder Doisy-Daëne und vieler weiterer zu den ganz großen Weinen der Welt gehören können.
In der Südsteiermark und in Südtirol hat sich Sauvignon Blanc seit den 1980er Jahren zu einer der wichtigsten Rebsorten entwickelt. Hier entstehen präzise, oft mineralische und zugleich aromatisch vielschichtige Weine. Dabei haben einige der bedeutendsten Weingüter der Südsteiermark nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch Pflöcke im benachbarten Slowenien eingeschlagen und erzeugen dort Sauvignon Blanc.
Der internationale Durchbruch ist eng mit Neuseeland verbunden. 1985 gründete der Winzer von Cape Mentelle (Margaret River, Australien) in Marlborough das Weingut Cloudy Bay. Der Stil, der eng mit dem ersten Weinmacher Kevin Judd (heute Greywacke) und Vineyard Manager Ivan Sutherland (heute Dog Point) verbunden ist, hat den Sauvignon Blanc revolutioniert. Vorher kannte man diese intensive Duftigkeit von Gras, Maracuja und Kiwi nicht, und er wurde weltweit beliebt. In den 1980ern war Sauvignon Blanc noch eine Randerscheinung in Marlborough, das viel bekannter für seine Apfelplantagen war. Heute sind es dort rund 24.000 Hektar.
Weitere erfolgreiche Erzeuger dieser Rebsorte gibt es in Südafrika, Chile und nicht zuletzt in Deutschland, wo man die unterschiedlichsten Stile antreffen kann – von Marlborough-Epigonen über Sancerre-Duftigkeit bis hin zu eigenen Interpretationen.
Sauvignon, Chavignol und mehr
Sauvignon Blanc ist ein vielseitiger Speisebegleiter und vor allem dafür bekannt, dass die Weine aus Sancerre besonders gut zu Ziegenkäse aus Chavignol passen, was der Nachbarort von Sancerre ist, wo ebenfalls diverse Sancerre-Weingüter ansässig sind. Aber natürlich passen ebenso Weine anderer Regionen zu Ziegenkäse. Entscheidend ist, dass man jungen Ziegenkäse zu jungen und frischen Weinen reicht und reifen Käse zu reifen Weinen. Fruchtbetonte Sauvignon Blancs passen sehr gut zu leicht würzigen und auch leicht scharfen Gerichten aus China, Indonesien, Vietnam oder Thailand, wobei es immer schwierig ist, eine so komplexe Küche zu vereinfachen. Gemüse (aus dem Wok), Fisch und Meeresfrüchte mit frischen Aromen sind ebenso beliebt wie Spargelgerichte. Auch hier sollten junge Weine mit einer frischen Sommerküche kombiniert werden. Ausdrucksstarke Weine dagegen können auch komplexe und cremigere Gerichte begleiten.
Fazit
Sauvignon Blanc ist eine der prägendsten Rebsorten der Gegenwart. Seine Kombination aus Frische, aromatischer Prägnanz und stilistischer Vielfalt hat ihn weltweit erfolgreich gemacht. Von den mineralischen Weinen der Loire über die exotisch geprägten Interpretationen Neuseelands bis hin zu komplexen, im Holz ausgebauten Varianten in der Südsteiermark, Pouilly-Fumé oder Bordeaux zeigt die Sorte eine beeindruckende Bandbreite. Gerade diese Fähigkeit, sich unterschiedlichen Bedingungen, Terroirs und Ausbauarten anzupassen und dennoch ihren Charakter zu bewahren, macht Sauvignon Blanc zu einer der faszinierendsten Rebsorten der Welt. Gleichzeitig ist sie eine der am stärksten polarisierenden, denn die Bandbreite zwischen großer aromatischer Lautstärke und Finesse ist enorm.









